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31.10.2016, Montag: Kaifeng – Xuzhou

Kaifeng sei eine Stadt „dritter Größe“, sagt unser Guide, keine der größten regierungseigenen Städte und auch keine Provinzhauptstadt. Sie ist mit 4 bis 5 Millionen Einwohnern nicht klein, nicht groß, so kommt mir das dahingehende chinesische Empfinden vor.

Wir unternehmen heute eine Reihe von Besuchen bei ihren Sehenswürdigkeiten und beginnen mit der Eisenpagode Tie Ta 铁塔. Die Eisenpagode heisst wegen ihrer rostbraunen, glasierten Ziegel so, die ihr das Aussehen von patiniertem Gusseisen verleihen. Glücklich sind wir, die Sonne scheint und der Park ist fast menschenleer. Ganz ohne Eile können wir die engen Stufen im Inneren nach oben und wieder abwärts gehen. Ein Nebeneinander ist nicht möglich, Gegenverkehr geht nicht.

Nach dem Abstieg schmerzen die Oberschenkel ein wenig. Die Stufen sind steil und nicht sehr regelmäßig, das Innere der Pagode ist sehr dunkel. Nur vorsichtig lässt sich der Weg nach unten finden. Nach der Eisenpagode geht es nur noch Richtung Zukunft, kein Gebäude der Stadt ist älter. Auf dem Weg aus dem Park begegnen wir den Schauspielern wieder, die hier eine kleine historische Szene inszeniert haben. Auf einer Bühne gibt es eine Kampfkunstvorführung vor dem Song-Kaiser. (Jedenfalls nehme ich an, dass er das sein soll, im sonnengelben Ornat.)


Danach fahren wir zum Da Xiangguo Si 大相国寺, einem buddhistischen Tempel. Er ist heute sehr stark besucht, ob ein besondere Tag ist? Wir haben es nicht herausgefunden. Es sind aber viele Gläubige hier, um an allen Altären Ihre Ehrerbietung zu zeigen. Vielleicht ist es auch der nahe Markt, der für viel Zulauf sorgt, oder das die Bodhisattva Guanyin hier als tausendarmige in einem achteckigen Pavilion ihren Trost spendet, umgeben von einem Wandelgang mit über 100 Lohans. 58 Jahre soll der Künstler an einem einzigen riesigen Gingkostamm geschnitzt haben, um die Höhe Figur zur erschaffen. Nun ist sie das Herz des Tempels und Ziel sicher der Mehrheit aller Besucher hier. Davon die Meisten, die sich hier neben die Altäre gesetzt haben und kurz ausruhen, sind Frauen, alt, nicht begütert, mit gegerbten Gesichtern von harter Arbeit in der Sonne. Guanyin, im Volksglauben auch als Göttin verehrt, sieht mit ihren 1.000 Augen alles Leid und reicht mit ihren 1.000 Händen nach jeder Leidenden.

Daoistischer Zwischenstop beim Yanqing Guan 延庆观: dem kleinen achteckigen Bau wurde aufwendig ein modernes Korsett übergezogen. Auch heute hält der Jadekaiser Audienz. (Er sollte vielleicht lieber bei Guanyin zum Tee gehen. Sie hat es hübscher.)


Fehlt eigentlich nur noch eine große wichtige Religion. Das könnte jetzt der Konfuzianismus sein … der kommt morgen erst dran. Heute beschließen wir mit dem guten, alten Geld. Die Zunfthalle Shanshan Gan Hui Guan 山陕甘会馆 wurde in der Qing-Dynastie von Zunftleuten dreier Provinzen errichtet und ist auch heute noch ein kleines Schmuckkästchen an chinesischer Architektur und Schnitzkunst.

  1. „Er ist heute sehr stark besucht, ob ein besondere Tag ist?“

    Na, Hallowe’en doch!

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