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25.10.2016, Dienstag: Huangling – Xian

Heute wollen wir zur zweiten „Hauptstadt“, die wir auf unsere Reise besuchen. Unter dem Namen Chang’an war Xi’an Sitz von dreizehn Dynastien. Auf dem Weg dorthin besuchen wir den mythischen Vater, den „frühesten Ahn der Nation“, mehr noch der chinesischen Kultur. Ihm werden die Medizin, die Schriftzeichen, die Musik und die Mathematik zugeschrieben.

Wir erreichen den Xuanyuan-Tempel 轩辕殿 auf dem Qiaoshan 桥山 und gehen als erstes auf die Zypresse zu, die der Gelbe Kaiser selbst gepflanzt haben soll. Damit wäre der schöne Baum um die 5.000 Jahre alt und man muss nur ein bisschen Feenstaub aufwenden, um zu sehen, wie der Weise Kaiser sich niederkniet, um einen kleinen Schößling in die Erde zu senken, unweit seines späteren Begräbnisortes.


Der Tempel der Andacht liegt nur ein paar Schritte entfernt und wurde prächtig renoviert und mit einem neuen Steinrelief eines Hongkonger Spenders ausgestattet. 


Hinter dem Tempel geht es zu einer großen Anlage für Nationalfeiern. Zum Laternen- und zum Mondfest feiert die Chinesische Regierung den Ahnherren. Das hinter einem großen Aufmarschplatz gelegene Gebäude wurde nach klassischem Vorbild von einem Xi’aner Architekten entworfen und zeigt über quadratischem Grundriss (die Erde, China) einen kreisförmigen Ausschnitt des Himmels (Himmel, die Kaiserwürde, die Regierung). Die Kinder der Erde haben großes Vergnügen daran, sich gegenseitig so zu fotografieren, dass es danach aussieht, als würden sie den Himmel tragen. Natürlich wird ein Fotografierservice inklusive Sofortausdruck auch von fliegenden Händlern angeboten.


Weiter nach Xi’an. Dieser Tag ist wegen der weiten Strecke vornehmlich ein Transfertag, aber wir kommen noch rechtzeitig genug an, um das große und großartige Historische Museum Shaanxi zu besuchen; rechtzeitig meint eigentlich zu spät – ein Führer eilt mit uns im Zeitraffer durch die Geschichte der Provinz. Die Fundstücke, die er uns zeigt, sind allerdings Gänsehaut erzeugend schön, vom frühzeitlichen Bronzegefäß bis zur feinsten Seladon-Keramik. Spontan wollen wir das Museum noch ein zweites Mal besuchen und unser Guide wird versuchen, für uns und den Donnerstag Tickets zu beschaffen. Neben den begrenzt verfügbaren Kassentickets müssen Online-Vorbestellungen von Tickets nämlich unter Angabe aller Personalien und Ausweis-/Pass-Nummer geschehen. Auch beim Betreten der Museen müssen wir Ausweise vorzeigen. 😳

Danach würde ich mich auf hervorragendes Essen freuen. Die Shaanxi-Küche ist, wie es sich für eine Ex-Hauptstadt gehört, köstlich und hat seit den Zeiten der Seidenstraße orientalische Einflüsse aufgenommen. Ich habe mir aber wohl eine Erkältung eingefangen und keine Appetit. Ein bisschen sauer-scharfe Suppe 酸辣汤 geht. Und ein bisschen vom Kuchen, das ein Mädchen uns von ihrem 弟弟, kleinen Bruder, an den Tisch bringen lässt, weil wir in den Chor ihrer großen Familie eingestimmt haben: 祝你生日快乐 – zhu ni shengri kuaile – zum Geburtstag viel Glück!

Meine beiden Mitreisenden sind sehr tapfer und versuchen alle Leckereien zu vernichten und ich hoffe sehr, dass es mir morgen schon wieder besser geht.

  1. Da gibt es noch eine Zypresse, die ist laut Wikipedia 4000 bis 4500 Jahre alt – die Zypressen von Abarqu in Persien, gepflanzt von Zarathustra. Da müsst ihr dann auch mal hin 🙂

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