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24.10.2016, Montag: Wasserfall Hukou bei Jixian

Nach einer Nacht in einem nicht besonders empfehlenswerten Hotel, ehem, wollen wir Linfen nicht ohne schöne Eindrücke verlassen. Vor unserem Aufbruch zum Hukou Wasserfall sehen wir uns zuerst den Eisenbuddha-Tempel 铁佛寺 an. In der Tang-Dynastie wurde in Xi’an eine große gusseiserne Statue Buddhas aufgestellt. Doch aus unerfindlichen Gründen brach der Kopf Buddhas ab und anstatt am Fuße der großen Figur liegen zu bleiben, rollte er die 300 Kilometer bis nach Linfen. Dort, wo er endlich zur Ruhe kam, umbauten die Einwohner der kleinen Stadt den Kopf mit einer Pagode. Heute liegt dieser Tempel, der nach einem verheerenden Erdbeben in der Qing-Dynastie wieder erneuert wurde, im zweiten Hof einer Schule. Vielleicht auch deshalb ist er nicht mehr allgemein bekannt. Die Concierge unseres Hotels weiß mit dem 铁佛寺 jedenfalls nichts anzufangen. Ob sie sich dafür an die Mao-Statue im Eingangsbereich der Schule erinnern würde?


Auf dem Weg zum Yao-Tempel 尧庙 stärken wir uns mit einem frischen, gebratenen Brot, einem 饼. Für einen RMB, also 14 Cent, bekommt man ein einfaches, leckeres Stück Soulfood am Morgen. Der leicht hefige Teig wird dabei portionsweise immer wieder ausgerollt und vor dem erneuten Falten und Ausrollen mit salzigem Öl bestrichen. Der Fladen geht dadurch beim Backen auf der Pfanne gut auf und variiert Happen für Happen seinen Geschmack und Biss.

So kann uns der Regen auch gleich viel weniger die Laune trüben, als wir den Ort des Angedenkens an den mythischen Kaiser Yao erreichen, der den Chinesen den Brunnenbau gebracht und noch einige andere Ruhmestaten vollbracht haben wird, dass man sich auch heute noch im Gebet an ihn wendet. Im Regen grübele ich noch mehr darüber nach, wie es sein kann, dass unsere Führerin nur mit Kaputzenshirt und drei dünnen Sweatshirts dem Regen trotzt. Niederschläge sind in dieser Gegen recht selten, vielleicht erscheint es ihr unhöflich, ihn mit einem Regenschirm oder Mantel abzuweisen.


An den 1.000 in Stein verewigten Kalligraphien des Zeichens Yao 尧 (堯) entlang gehen wir Richtung Ausgang, um nach einem der Väter Chinas zu einer der Mütter zu fahren, dem Mutterfluss 黄河, dem sogenannten Gelben.


In China sind anders als in Deutschland die Flüsse weiblich. Diese stürzt nicht so weit von hier, gemessen an den Verhältnissen, an den zweitgrößten Wasserfällen des Landes rauschend in die Tiefe. Wir kommen auf dem Shanxiufer von unserem Hotel aus zu Fuß auf die Fälle zu und können die Ruhe der Straße und das leise Gurgeln der Flüssin genießen, bevor mit dem Tosen auch das laute Vergnügen der Kinder an ihrer Mutter zu hören ist. Langsam gleiten wir in den Lärm, was entschieden wohltuender ist, als direkt aus dem Bus in den Lärm zu steigen. Sha’anxi beschallt Mutter und Kind mit Ausschnitten eines klassischen chinesischen Liedes, Shanxi hält mit Rezitationen dagegen. Alle Anwesenden freuen sich am Geräusch, dass es mit dem Rauschen des großen Wassers aufnehmen kann. Der Himmel reißt nach fünf Tagen Grau in Grau auf und wir freuen uns am Rauschen, am Licht.

  1. Naja, es gibt ja hier auch weibliche Flüsse – übrigens auch jede Menge (Niesel-)Regen. Also grämt euch nicht. Das Piktogramm verbietet das Schwimmen im Fluss? Seh ich das richtig?

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