journal

19.10.2016, Mittwoch: Datong

Nach dem chinesischen Frühstück kommen wir heute zu den authentischen Sehenswürdigkeiten der Kohlenstadt Datong und fahren raus zu den Yungang-Höhlen 云冈石窟. Eingefasst von einer 2008 gebauten Klosterkulisse mitsamt mönchischen Statisten sind hier die ältesten Buddha-Skulpturen des Landes zu bewundern. Und sind wirklich wunderbar.


Der Rückweg führte uns zur Neun-Drachen-Mauer 九龙壁, Zeichen kaiserlicher Würde für den ansonsten nicht-kaiserlichen, aber exzentrischen dreizehnten Sohn eines Kaisers. Die Sonne im Rücken hüllen die sich über brausenden Wassern schlängelnden, und damit selbst exzentrischen Drachen in Schatten. Daher werden wir morgen noch einmal vorbeischauen.

Sommerliche Luft. Wir trinken Instant-Kaffee und essen wunderbare Granatäpfel vom Verkäufer außerhalb des Geländes, der dafür auf unseren dort gegen jede Regel abgestellten Van aufpasst. Eine Hand wäscht die andere, die Granatäpfel waren aber so süß und frisch, dass sie ohnehin jeden Mao wert waren.

Später lustwandeln wir durch das Shanhua-Kloster 善化寺, dass an diesem lauen Tag und nur wenig  bevölkert zauberisch ruhig und weltfremd ist. Süß lächeln die hohen Buddhas und Bodhisattvas in den kühlen Hallen auf die Besucher herab und ihnen scheint der Besucher nicht weniger willkommen als der Gläubige. Nur Touristen werden gebeten, die Segensreichen nicht zu fotografieren.




Zum Schluss erzählt uns Datongs neue alte Stadtmauer etwas davon, was China noch ist: Alte Knochen in neuen Kleidern, Sehnsucht nach einem besseren Leben und eine unsichere und doch stolze Eitelkeit neben alltäglichen armen Seligkeiten. 差不多!


Zum guten Ende gehört immer ein Essen, heute im Tong He Da Fangdian 同和大饭店, ein Hotelrestaurant mit großen runden Tischen und örtlichen Spezialitäten wie Dickkopffisch-Kopf 胖头鱼头, dessen Brühe man mit Fladenbrot aufsaugt. Oder gedämpften, gewickelten Dumplings aus Tartarenbuchweizen, 苦荞, gefüllt mit sehr dünnen Kartoffelstreifen und Gemüse, und gegessen mit schwarzem Reisessig und etwas Gemüsesuppe. (In den Nebenrollen: Salat mit Austernsauce, ausgebackene Kürbisstreifen mit gesalzenem Eigelb bestrichen, Auberginen mit grünen Bohnen, Schweinefleisch mit Wolkenohrpilzen.)

  1. Am Schönsten fand ich die beiden Katzen und die Wolkenohrpilze. Was für ein Name! Haben in China die Wolken Ohren statt der Wände?

Kommentare sind geschlossen.