journal

04.11.2016, Freitag: Jinan – Peking

In Jinan 济南 angekommen hatten wir gestern abend noch etwas Zeit durch die nähere Umgebung unseres Hotels zu wandern, insbesondere den People’s Square und ein paar Straßen mit Nachtmarkts-Fressbuden. Jinan ist mir auf Anhieb sympathisch. Mit einem heißen Milchtee in der Hand wandere ich über das riesige Areal des People’s Square. Wie in jeder Stadt, in der wir waren, wird auch hier abends in einer Mischung aus Square Dance und Gymnastik gemeinschaftlich getanzt. Das Musikgenre ist dabei zweitrangig, von hämmerndem Sino-Techno, über erbauliche rote Märsche bis hin zu taiwanesischem Boy Group Pop habe ich schon alles gehört. In Jinan liegt das beobachtete Durchschnittsalter der Tanzenden erstmals aber deutlich näher an 20 als an 50! Andere lassen zum Zeitvertreib große Lenkdrachen steigen, die mit bunt blinkenden LEDs auch am nächtlichen Stadthimmel gut zu sehen sind (und hier wohl die Sterne ersetzen müssen). Es gibt Tai Chi Gruppen, die mit Fächern oder Übungsschwertern die anmutigen Bewegungen zusammen üben. Ältere Herrschaften (hier ist wirklich noch nie ein junger Typ zu sehen gewesen und nur sehr selten mal eine Dame) peitschen anderswo, im Wortsinne, große summende Brummkreisel über die Steine. Auch die sind mittlerweile LED-bewehrt und sausen buntblitzend herum.

img_7557

img_7582

img_7581

IMG_7605.JPG

Am heutigen Tag wollen wir noch weiter nach Peking 北京. Die Strecke ist immerhin um die 430 Kilometer weit, so dass wir nur den Vormittag für Besuche in der Stadt haben. Wir entscheiden uns für die berühmteste Quelle der Inspiration Chinas, der Bàotū Quán 趵突泉 und den nahegelegenen Dà Míng See 大明湖.

Die Geschichte der Springquelle reicht bis in die Shang Dynastie zurück von vor 3.500 Jahren zurück und wird in den rund 2.500 Jahre alten Frühlings- und Herbstannalen erwähnt, die Konfuzius zugeschrieben werden. Der Qianlong Kaiser nannte sie gar die Erste Quelle unter dem Himmel. An der benachbarten Schwesterquelle Shùyù Quán 漱玉泉 hat sich die berühmte Lyrikerin Lǐ Qīngzhào 李清照 oft niedergelassen. Nach dem Namen der Quelle hat sie ihre leider nicht mehr vollständige erhaltene, mehrbändige Sammlung von Gedichten Shu Yu Ci 漱玉詞 benannt.

img_7636

img_7648

img_7668

Die Quellen sind heute gut besucht. Eine Ausstellung von Chrysanthemen steigert den Andrang der Besucher zusätzlich zur Wettervorhersage. Es ist für das Wochenende Regen vorausgesagt und um so mehr Besucher wollen die Schönheit der Quellen und Blumen an diesem Sonnentage nutzen.

img_7699

img_7726

Wir fließen mit den Besuchern durch die Gartenräume und um die Wasserbecken herum, werden aus dem kleinen Park gespült und haben gerade noch genug Zeit dem Da Ming See unseren Besuch abzustatten. Von seinen neun Inseln besuchen wir eine. Wir setzen einfach mit der nächsten erreichbaren Fähre über und genießen die Ruhe in der Großstadt, bevor es weitergehen soll, zurück nach Peking.

img_7754

Wir haben Jinan kaum verlassen, es ist vielleicht halb 12, als wir in den Stau geraten. Wir erfahren, dass dieser 30 Kilometer lang sein soll. Schon öfter haben wir in der Stadt im Stau gesteckt, auch auf der Autobahn hat es uns schon erwischt. Wir sind nicht beunruhigt, bis unser Guide erfährt, dass Peking alle Zugangsstraßen gesperrt haben soll, da die Hauptstadt unter einem ihrer besonders schlimmen Smogs leidet.

Nach dem zweiten und dritten Stauabschnitt wird offensichtlich, dass wir Peking nicht mehr zum Abendessen erreichen. Zwischenzeitig mogeln wir uns auf der Notspur nach vorne. Wir sehen wie andere ihr Kennzeichen mit einem Pflaster versehen, um etwaige erkennungsdienstliche Aufnahmen zu vereiteln. Und, nun ja, wir legen selbst eine kleine Strecke zurück, bei der wie zufällig einer von uns vor dem Fahrzeug, einer hinter dem Fahrzeug entlangspaziert. Doch chinesische Autobahnen sind lang und haben nur wenige Abfahrten. Und keine der Alternativrouten, die wir im Internet suchen, scheint besser zu sein.

img_7759

Es wird dunkel und uns wird klar, dass wir Peking nicht mehr an diesem Tag erreichen. Zwischendurch essen wir auf einer Raststätte eine Portion Instantnudeln (für Lebensmittelchemie wirklich lecker!). Wir stranden irgendwo zwischen Jinan und Peking und haben nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft.

img_7764

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *