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02.11.2016, Mittwoch: Qufu – Taian

Dieser Mittwoch steht ganz im Zeichen des 孔子, des Konfuzius. Gleich in der Nähe unseres Hotels, dass sich selbst im Grundriss
ganz bescheiden konfuzianisch gibt, können wir schon in den Tempel eintreten. Hof folgt auf Hof, Tor öffnet sich nach Tor und auf allen wird der Macht und Größe des konfuzianischen Gedanken gehuldigt. Der Tempel, dessen Keimzelle das bescheidene Drei-Zimmer-Wohnhaus des Konfuzius war, ist über die Zeiten zum größten kaiserlichen Anlage nach der Verbotenen Stadt angewachsen. Kaiser selbst sind über diese Wege geschritten und haben in großer Kalligrafie ihr Urteil über den Meister hinterlassen. Chinesen mit dem Nachnamen Kong gehen die gleichen Wege kostenlos und auch sonst darf heute jeder, der Eintritt zahlt. Nachdem Mao die Lehre in der Kulturrevolution geächtet hatte, steht Konfuzius heute wieder in hohem Ansehen, auch beim Staat.


Das Anwesen der Familie Kong ist im 14. Jahrhundert aus dem Tempelbezirk ausgegliedert worden und ebenfalls über die Jahrhunderte und den vielen Dynastischen Töpfen genährt auf eine beeindruckende Größe angewachsen. Apropos Töpfe. 180 Gänge gab es mitunter zu verspeisen, im Haus der Pietät, Sitte und Moral. Ich suche aktuell die Speisekarte. Der Clan selbst wurde in ununterbrochener Folge bis 1935 vom männlichen Erstgeborenen regiert, anders kann man es nicht nennen; und wären nicht die bekannten Wirren und eine Flucht nach Taiwan dazwischen geraten, dann wäre dem gewiss auch heute noch so.

Ich wüsste gewiss noch mehr von unserem Spaziergang durch die heiligen und die alltäglichen Gefilde diese nicht-dynastischen Dynastie, welche stabiler und dauerhafter Einfluss auf das chinesischen Geistesleben genommen hat als jeder Kaiser in der Geschichte dieses Reiches, den Gelben Kaiser vielleicht ausgenommen. Aber ich konnte den Übersetzungen unseres Guides von den Erläuterungen der chinesischen Führerin irgendwann nur noch halb folgen. Zu schön, zu verführerisch war die Friedlichkeit der großen Höfe, alten Zypressen, Tauben und Stelen.

Am Ende liegt der Friedhof. Auf dem Friedhof der Familie Kong, dem Kong Wald 孔林, wird bis heute beerdigt. An die 100.000 seiner Nachkommen haben hier ihre Ruhe gefunden. Kaum mehr als Erdhügel und eine die Stille des großen Friedens hinter der 10km langen Mauer verraten, dass es sich hier um einen Wald handelt. Sightseeing-Busse bringen Besucher auf verschlungenen Wegen von einem Ort zum anderen. Der schmucklose Grabhügel des Ahnherren liegt neben dem seines Sohnes und Enkels hinter einem von vier mythischen Steintieren bewachten Eingang. Ruhe sanft.

Als wir in Tai’an 泰安 eintreffen, haben wir noch genug Zeit, uns einmal allein auf den Weg zu machen. Wie sich herausstellt ist der Dai Miao 岱庙 gar nicht weit und mit nur 30 Yuan können wir einen Spaziergang durch die Gärten, Höfe und Hallen des daoistischen Tempels machen. Wenn wir morgen den Tai Shan besteigen, haben wir so unsere Pilgerfahrt gleich richtig begonnen. Wir gehen vom falschen Ende aus, durch den Hintereingang durch die Anlage und bewundern die Bonsai, den bronzenen Pavillion, die kleine eiserne Pagode, das wunderbare Wandbild in der Halle des Himmlischen Segens und wandern am Schluss auf der Umfassungsmauer zurück zum Hintereingang. Das hat jetzt nur uns gehört.

  1. Faszinierend schöne Bilder!

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